Der Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung formuliert ambitionierte Ziele: lebenswerte Quartiere, Klimaanpassung, bezahlbares Wohnen, starke Zentren und fortschrittliche Mobilität. Wie Kommunen diese Ziele trotz angespannter Haushaltslage und begrenzter Kapazitäten in die Umsetzung bringen, bleibt die zentrale Frage.
Kopenhagen liefert dazu Ansätze. Die dänische Hauptstadt, vom Economist erneut zur lebenswertesten Stadt gekürt, verfolgt eine integrierte Planung: Wohnungsbau, Freiraumentwicklung, Verkehr und Klimaanpassung werden ressort- übergreifend gedacht. Straßen, Plätze und Parks übernehmen Mehrfachfunktionen: Sie sichern Wegeverbindungen, verbessern die Aufenthaltsqualität und dienen bei Starkregen der Regenwasserrückhaltung.
Ein Beispiel dafür ist der Sankt Annæ Plads in der Kopenhagener Innenstadt. Der einst hochwassergefährdete Platz wurde so neugestaltet, dass Regenwasser aufgefangen und abgeleitet werden kann, während ein attraktiver öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität entstand.
„Die Bundesregierung beschreibt klar, wohin sich Stadtentwicklung bewegen muss. Das entspricht dem, was Kopenhagen über viele Jahre umgesetzt hat: Stadt nicht in isolierten Zuständigkeiten nach Fachbereichen denken, sondern in ganzheitlich funktionierenden Quartieren“, sagt Henning Werner, Global Head of Cities bei Ramboll.
Ramboll wurde vor mehr als 80 Jahren in Dänemark gegründet und begleitet weltweit Projekte – unter anderem in den Bereichen Stadtentwicklung, Mobilität und Klimaresilienz. Durch diese Wurzeln und die langjährige Zusammenarbeit mit Kommunen verbindet die Ingenieur-, Architektur- und Managementberatung die Prinzipien des „Copenhagen Way“ mit den Anforderungen deutscher Städte und Gemeinden.
Stadtentwicklung erfordert heute stärker integrierte Formen der Zusammenarbeit. Kopenhagen versteht die Kommune als Koordinatorin: Sie definiert Zielvorgaben, bündelt Interessen und bindet Entwickler, Wohnungsunternehmen und Fachagenturen verbindlich ein. So entstehen ressortübergreifende Strukturen.
Mobilität wird als Flächenfrage verstanden. In Quartieren wie Nordhavn liegen Wohnen, Arbeiten und Versorgung nah beieinander. Verkehrsflächen werden multifunktional genutzt und schaffen Raum für Grünstrukturen und Klimaanpassung. Blau-grüne Infrastruktur mindert Hitze- und Starkregenrisiken, steigert die Standortqualität und kann Folgeinvestitionen auslösen. Vermiedene Schäden sollten in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einfließen.
Die politischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich von Deutschland. Übertragbar bleibt der Grundgedanke: Erfolgreiche Stadtentwicklung entsteht, wo Kommunen strategische Ziele mit ressortübergreifender Zusammenarbeit und konsequenter Umsetzung verbinden. Besonders bei knappen Ressourcen sollten Maßnahmen mehrere Zielstellungen gleichzeitig erfüllen.
„Viele Kommunen arbeiten noch mit Routinen, die den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Gerade kleine und mittelgroße Städte brauchen Unterstützung, um aus Leitbildern konkrete und finanzierbare Projekte zu entwickeln, strategische Planung zu verankern, eine Kultur der Zusammenarbeit zu etablieren und digitale Lösungen umzusetzen.“, sagt Henning Werner.
Kopenhagen ist kein Modell zum Kopieren. Übertragbar sind vier Prinzipien: strategische Zielsetzung, integrierte Planung, klare Verantwortlichkeiten und Vorhaben mit Mehrfachnutzen. So kann aus einem Leitbild ein umsetzbares kommunales Handlungsprogramm werden.
Autor: Henning Werner, Global Head of Cities bei Ramboll
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