In ganz Deutschland sitzen Kommunen auf einer wertvollen und oft übersehenen Ressource. Viele ehemalige Industriestandorte in guten urbanen Lagen werden seit Jahren nicht mehr genutzt. Diese Brownfields bieten großes Potential für die Schaffung von Arbeitsplätzen, Investitionen und Wirtschaftswachstum. Wenn sie als moderne Logistik- und Light-Industrial-Parks neu entwickelt werden, können sie zu mächtigen Treibern der lokalen langfristigen Wirtschaft werden. Was hält die Kommunen zurück?
In Deutschland gibt es viele urbane Brownfields, die seit Jahren ungenutzt sind und das Stadtbild negativ prägen. Gleichzeitig bergen sie erhebliche Potenziale für eine erfolgreiche Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Gerade für die Ansiedlung moderner Logistikimmobilien, Light- Industrial-Flächen und Gewerbeparks bieten solche Flächen attraktive Voraussetzungen. Ihre Entwicklung kann Kommunen wirtschaftlich stärken, neue Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit der knappen Ressource Fläche leisten.
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass Brownfields in der Regel bereits über eine gut ausgebaute Infrastruktur verfügen. Straßenanbindungen, teilweise Gleisanschlüsse sowie Versorgungsleitungen für Strom, Wasser oder Telekommunikation sind häufig vorhanden. Dadurch fallen Erschließungsmaßnahmen deutlich geringer aus als bei Neubauprojekten auf der „grünen Wiese“. Gleichzeitig werden zusätzliche Flächenversiegelungen vermieden – ein Aspekt, der angesichts ambitionierter Klimaziele und des sparsamen Umgangs mit Boden zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Ein weiterer Mehrwert der Umnutzung brachliegender Flächen ist die Verbesserung des Stadtbildes. Verlassene Industrieanlagen wirken oftmals unattraktiv, verursachen Sicherheitsprobleme und mindern die Aufenthaltsqualität im Umfeld. Moderne Gewerbeparks mit zeitgemäßer Architektur sowie Gebäudekonzepten sowie begrünten Außenanlagen können dagegen ganze Quartiere aufwerten und neue Impulse für ihre Umgebung setzen. Brachflächenreaktivierung kann somit zur Wiederbelebung von Industriearealen führen, die vormals für Unternehmen überhaupt nicht mehr in Frage kamen, und diese wieder nutzbar machen für eine erneute Wertschöpfung für die Bevölkerung und die Wirtschaft.
Ein anderer – für Städte und Gemeinden sehr wichtiger – Nutzen liegt in den wirtschaftlichen Effekten. Gelingt die Ansiedlung erfolgreicher Unternehmen, entstehen neue Gewerbesteuereinnahmen und langfristig eine stärkere wirtschaftliche Basis für die Kommune. Aus der Entwicklung von Brachflächen zu einem langfristigen Multi-User-Gewerbepark ergeben sich zudem wirtschaftliche Impulse für die jeweilige Gemeinde. Beispielsweise profitieren auch lokale Handwerksbetriebe, Dienstleister und der Einzelhandel von zusätzlichen Unternehmen und Beschäftigten am Standort. Schließlich trägt auch die Branchenvielfalt der Unternehmen in den Gewerbeparks zu einer stärkeren Resilienz der Wirtschaft in der Kommune und der Region bei.
Ebenso wichtig ist die Sicherung bestehender Unternehmen. Viele mittelständische Betriebe benötigen moderne Flächen, um wachsen und wettbewerbsfähig bleiben zu können. Finden sie diese Möglichkeiten nicht vor Ort, droht langfristig eine Verlagerung in andere Regionen. Die Revitalisierung ehemaliger Industrieareale eröffnet Kommunen daher die Chance, Unternehmen am Standort zu halten und gleichzeitig neue Investoren zu gewinnen. Häufig entsteht dabei eine große Bandbreite moderner Arbeitsplätze.
Natürlich ist die Entwicklung von Brownfields auch mit Herausforderungen verbunden. Altlastensanierungen, komplexe Eigentumsverhältnisse, lange Genehmigungsverfahren oder Finanzierungslücken können hohe anfängliche Kosten verursachen und Projekte erschweren bzw. ihre Realisierung verzögern. Gerade deshalb sind eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Investoren und Behörden sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht diese Chancen: In Düsseldorf-Reisholz befand sich über viele Jahrzehnte die Papierfabrik Feldmühle, einst einer der bedeutendsten Papierhersteller Deutschlands. Im Zuge des Strukturwandels wurde die Produktion 2007 endgültig eingestellt. Dadurch eröffnete sich die Möglichkeit, das Areal vollständig neu zu entwickeln. Noch im selben Jahr erwarb SEGRO das Gelände.
Heute zählt der SEGRO Park Düsseldorf Süd zu den größten innerstädtischen Light-Industrial- Gewerbeparks des Unternehmens. Die vermietbare Fläche umfasst inzwischen rund 92.000 Quadratmeter, auf denen sich etwa 40 Unternehmen angesiedelt haben. Die Mieter kommen aus ganz verschiedenen Branchen – von Kunststoffindustrie über Gebäude- und Lüftungstechnik über Urban Mobility bis hin zu einer Tierarztpraxis. Das Projekt zeigt, wie aus einer Industriebrache ein wirtschaftlich erfolgreicher Standort mit langfristigem Nutzen für Unternehmen, Beschäftigte und Kommune entstehen kann.
Fazit: Die entscheidenden Fragen sind heute: Warum werden nicht mehr von diesen Flächen in eine neue Nutzung überführt und wie können Kommunen gemeinsam mit privaten Investoren die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit Brownfield-Entwicklungen trotz möglicher höherer Anfangsinvestitionen realisierbar werden? Angesichts knapper Flächen, steigender Anforderungen und des zunehmenden Wettbewerbs um Unternehmensansiedlungen bieten revitalisierte Brownfields eine große Chance für eine zukunftsfähige kommunale Entwicklung und die Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaft.
Autor: Tim Rosenbohm, Director Light Industrial, SEGRO Germany
www.segro.com
