Logistikimmobilien bieten jede Menge Potenzial: Sie bilden die Lebensader der Volkswirtschaft, schaffen vielfältige Arbeitsplätze und stärken damit die lokale Wirtschaft. Logistikimmobilien können aber noch weit mehr: Sie bieten Anlegern attraktive Mietrenditen, generieren relevante Steuereinnahmen und tragen zur Energieversorgung vor Ort bei. Deshalb lohnt es sich, die Vorteile genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor allem um den fiskalischen Wert und den Energieaspekt soll es in diesem Beitrag gehen.
Die Akzeptanz von Logistikimmobilien in deutschen Kommunen hat sich verbessert. Doch hier und da gibt es weiterhin Vorbehalte. Das ist vor allem dort der Fall, wo Logistikimmobilien auf den Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung reduziert werden. Diese Sichtweise blendet die Chancen aus, die moderne Logistikansiedlungen Kommunen eröffnen.
In der branchenübergreifenden Logistikmarkt- Abgrenzung wird Logistik in Deutschland häufig als drittgrößter Wirtschaftsbereich nach Automobilwirtschaft und Handel beschrieben. Rund 335 Milliarden Euro Umsatz und etwa 3,35 Millionen Beschäftigte weist die Studie „Top 100 der Logistik“ für 2024 aus. Als Querschnittsfunktion verbindet Logistik Produktion, Handel und Dienstleistungen. Sie lenkt Warenströme, schafft Arbeitsplätze und löst Investitionen aus, die sich vor Ort niederschlagen. Deshalb sind Logistikstandorte für Kommunen auch fiskalisch relevant. Das unterstreicht eine von der Wirtschaftsberatung Oxford Economics erstellte Analyse zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Logistikimmobilien.
Demnach sendet der Bau ein sichtbares Signal: Hier entstehen moderne Flächen, hier ist wirtschaftliche Aktivität dauerhaft organisiert. Daraus folgen Anschluss- impulse – über Bau- und Ausbauleistungen ebenso wie über den laufenden Betrieb, etwa durch Facility Services, Wartungsarbeiten und regelmäßige Anpassungen im Objekt, die zu einem relevanten Teil regional vergeben werden. Neue Betriebe schaffen zusätzliche Arbeitsplätze. Beschäftigung wirkt fiskalisch umso stärker, je mehr Beschäftigte ihren Wohnsitz in der Region haben. Logistikansiedlungen sind damit nicht nur ein einzelner Steuerzahler, sondern ein Baustein regionaler Entwicklung.
Eine wesentliche Rolle spielen derartige Ansiedlungen auch für die kommunale Energieversorgung. Logistikimmobilien verfügen unter allen Gewerbeobjekten über die größten zusammenhängenden Dachflächen und bieten deshalb ideale Voraussetzungen für eine Belegung mit Photovoltaik. Die Dächer sind weitgehend frei von Verschattung und technisch gut erschlossen. Zuletzt wurde das Dachflächenpotenzial auf Industrie- und Logistikimmobilien in Deutschland mit etwa 362 Millionen Quadratmetern beziffert. Davon sind bislang nur knapp 20 Prozent mit PV-Anlagen bestückt. Bei Neubauten von Logistikimmobilien gehört die Installation von Solarmodulen deshalb inzwischen zum Standard.
Das PV-Potenzial einer typischen Halle zwischen 10.000 und 25.000 Quadratmetern liegt bei bis zu 2,5 Megawatt/Peak. Der gewonnene Strom kann auf vielfältige Art genutzt werden: zur Versorgung des Mieters in der Halle, zur Lieferung an Gewerbenachbarn auf Basis eines langfristigen Vertrags (Power Purchase Agreement), zum Aufbau einer Ladeinfrastruktur etwa für E-Lkw oder zur Einspeisung ins öffentliche Netz.
Ein Gewerbegebiet mit fünf bis zehn Logistikimmobilien kann – abhängig von Dachnutzbarkeit, Standort und Netzanschluss − rechnerisch Solarstrom in einer Größenordnung erzeugen, die dem Jahresstromverbrauch von mehreren hundert bis mehreren tausend Haushalten entspricht. Idealerweise wird die PV-Anlage mit Batteriespeichern kombiniert, um überschüssigen Strom zwischenzupuffern, Lastspitzen zu reduzieren und die Netzstabiltät zu verbessern. Angesichts des steigenden Energiebedarfs wird die Bedeutung von Photovoltaikanlagen auf Logistikimmobilien weiter zunehmen. Als lokaler Energieversorger tragen sie zur Entlastung der kommunalen Stromversorgung bei und unterstützen Städte und Gemeinden beim Erreichen ihrer Klimaschutzziele.
Autor: Tobias Kassner, Head of Research und Mitglied der Geschäftsleitung
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